Finanzierung Grundeinkommen

Wer hat mit BGE mehr Netto als bisher?

Bis zu welchem Brutto-Einkommens sinkt die Abgaben-Belastung und steigt das Netto-Einkommen mit Grundeinkommen im Vergleich zu heute?

In BGE-Modellen wird das Brutto-Einkommen, bei dem die abzuführende Steuer und die Höhe des Grundeinkommens identisch sind, als Transfergrenze bezeichnet. Jeder Bezieher eines Einkommens unterhalb der Transfergrenze ist Netto-Empfänger, alle darüber Netto-Zahler. In den Diagrammen ist die Transfergrenze der Schnittpunkt der Geraden Netto-Einkommen und Brutto-Einkommen.

In dem Tabellen-Beispiel mit 1.230 € Grundeinkommen und einem einheitlichen Steuersatz von 52 % ab dem ersten Euro wäre die Transfergrenze bei einem Brutto-Einkommen von ca 2.200 €. D.h. der Steuerabzug von 1.230 € entspricht in der Höhe exakt dem ausbezahlten Grundeinkommen von 1.230 €. Der Saldo aus Grundeinkommen und Steuerabzug ist dann 0 € und das Netto-Einkommen ist gleich dem Brutto-Einkommen, der effektive Steuersatz 0 %.

Ab einem Einkommen von 1 € vermindert sich somit das Grundeinkommen von 1.230 € um die gezahlte Steuer. Ab der Transfergrenze ist die gezahlte Steuer höher als das Grundeinkommen und der Effektiv-Steuersatz steigt von 0 % bis annähernd 52 % bei sehr hohen Einkommen.

Dennoch hat diese Transfergrenze keine praktische Bedeutung für die Ermittlung der Gewinner und Verlierer eines Grundeinkommens, denn an der Transfergrenze in diesem Rechenbeispiel werden heute nicht 0 €,  sondern bereits 460 € (ca. 20 %) Steuern und KV-/PV-Beitrag auf das Brutto-Einkommen entrichtet.

Tatsächlich wäre bei 1.230 € Grundeinkommen und einem Steuersatz von 52 % das Nettoeinkom-men im BGE-Modell und das heutige Netto-Einkommen erst bei Brutto 9.200 € gleich und erst für Einkommen über 9.300 € wird die Abgaben-Belastung mit BGE höher als heute bei Steuerklasse 1 (ca. 11.400 € für Paare bei Steuerklasse 3). Kinder mit dem halben Grundeinkommen sind dabei noch gar nicht berücksichtigt.

Die roten Kurven in der Abbildung ergeben sich aus der aktuellen Steuertabelle für 2017 , die blauen aus einer Flat Tax von 52 % zusammen mit einem Netto-Grundeinkommen von 900 € (1.230 € BGE abzüglich 330 € KV-/PV-Beitrag).
Für Euro-Beträge (Einkommen, Abgaben) gilt die linke Skala, für %-Angaben (Abgabesätze) die rechte Skala. (Quelle: BGE_Vergleich_Steuerklasse_1.xls bzw. BGE_Vergleich_Steuerklasse_1.ods)

Wie kann es sein, dass mit 1.230 € Grundeinkommen und einem Steuersatz von 52 % erst bei Einkommen über 9.200 € die Steuerbelastung zu- und das Nettoeinkommen abnimmt?

Dafür gibt es 5 Ursachen, deren Effekte sich kumulieren:

  • Das Nettoeinkommen erhöht sich um 900 € (1.230 € Grundeinkommen - 330 € KV-/PV-Beitrag)
  • In dem BGE-Steuermodell wird der Pflege- und Krankenversicherungsbeitrag aus dem Grundein-kommen bezahlt. Das zu versteuernde Einkommen erhöht sich deshalb um den Arbeitgeber-anteil zu Kranken- und Pflegeversicherung, nach Steuer verbleiben 48% des Arbeitgeber-Anteils als Erhöhung des Nettoeinkommens.
  • Renten- und Arbeitslosenversicherungsbeiträge bleiben wie bisher steuerfrei, mindern also das mit 52 % zu versteuernde Einkommen. Dafür werden Renten und Arbeitslosengeld versteuert.
  • Im Steuersatz von 52 % sind bereits die bisherigen 10 % für Pflege- und Krankenversicherung enthalten. 
  • Nach Erreichen des heutigen Spitzensteuersatzes von 44,3 % bleibt die zusätzliche Steuerbe-lastung um ca. 8 %-Punkte moderat. (Die Differenz zur Reichensteuer beträgt sogar nur 5,5 %-Punkte.)

Dennoch kann ein BGE in dieser Höhe finanziert werden, da für die meisten Einkommensbezieher sich nur ein geringer bis mäßiger Einkommensvorteil ergibt. In voller oder nahezu voller Höhe wird das Grundeinkommen nur an Personen ausgezahlt, die bisher Bezieher von Grundsicherung sind, wofür auch noch zusätzlichhohe Bürokratiekosten anfallen.

 

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Letzte Bearbeitung: 30.04.2017, 23:26
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